Matter-Geräte in Home Assistant einbinden: Schritt für Schritt, mit allen Stolpersteinen

von Patrick · · 7 Min. Lesezeit · Ratgeber


Matter hat das Versprechen, dass ein Gerät einfach funktioniert, egal von welchem Hersteller und mit welchem System. In der Praxis klappt das inzwischen erstaunlich gut, aber es gibt ein paar Dinge, die man vorher wissen sollte. Ich habe bisher mehrere Matter-Geräte in meinem Home Assistant eingebunden, darunter vier Steckdosen von IKEA. Hier ist der Ablauf, den ich mir angewöhnt habe, samt der Stellen, an denen es bei mir gehakt hat.

Was ihr vorher braucht

Für Matter in Home Assistant gibt es drei Bausteine:

  1. Die Matter-Integration in Home Assistant, die ihr unter Geräte & Dienste findet.
  2. Den Matter Server. Bei Home Assistant OS ist das ein Add-on (in der Oberfläche inzwischen „App“ genannt), das die eigentliche Kommunikation mit den Geräten übernimmt.
  3. Für Thread-Geräte zusätzlich einen Thread Border Router, bei mir der OpenThread Border Router als Add-on mit einem USB-Stick als Funkmodul.

Wenn ihr nur WLAN-Matter-Geräte habt, braucht ihr den Border Router nicht. Sobald ein Gerät aber „Matter über Thread“ im Namen trägt, ist er Pflicht. Wie ich den Border Router eingerichtet habe, steht im Artikel zum Sonoff Thread Border Router.

Schritt 1: Gerät vorbereiten

Jedes Matter-Gerät hat einen Einrichtungscode, meist als QR-Code auf dem Gerät, der Verpackung oder in der Anleitung. Hebt die Verpackung oder zumindest ein Foto des Codes auf. Ihr braucht ihn nicht nur einmal, sondern auch dann, wenn ihr das Gerät später zurücksetzt oder in ein anderes System bringt.

Das Gerät muss im Einrichtungsmodus sein. Bei neuen Geräten ist das ab Werk der Fall, bei gebrauchten muss man sie vorher zurücksetzen.

Schritt 2: Über die Companion App hinzufügen

Matter-Geräte bindet man in Home Assistant am bequemsten über die Companion App auf dem Handy ein, weil dafür Bluetooth und der Zugriff auf die Kamera für den QR-Code gebraucht werden. Der Weg: Einstellungen → Geräte & Dienste → Gerät hinzufügen → Matter-Gerät, dann den QR-Code scannen.

Bei meinen IKEA-Steckdosen war das überraschend unspektakulär. QR-Code scannen, ein paar Sekunden warten, fertig. Die Entitäten für Schalter und Energiemessung waren sofort da.

Stolperstein 1: Die Thread-Zugangsdaten

Bei Thread-Geräten passiert beim Hinzufügen im Hintergrund etwas Wichtiges: Das Handy muss die Zugangsdaten des Thread-Netzwerks kennen, damit es dem neuen Gerät sagen kann, wo es sich anmelden soll. Home Assistant kann diese Zugangsdaten an die Companion App weitergeben.

Wenn das nicht klappt, bricht das Hinzufügen mit einer wenig hilfreichen Fehlermeldung ab. Dann lohnt ein Blick unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Thread: Dort sollte ein „bevorzugtes Netzwerk“ gesetzt sein. Das ist das Netzwerk, dessen Zugangsdaten verteilt werden. Gibt es mehrere Thread-Netze (zum Beispiel weil ein Smart-Speaker oder ein anderer Hub ein eigenes aufgemacht hat), legt ihr hier fest, welches ihr verwenden wollt. Ein Mix aus mehreren Netzen ist selten sinnvoll.

Stolperstein 2: Ein zweiter Matter Server sieht nichts

Hier habe ich selbst einen Fehler gemacht, der sich leicht wiederholen lässt. Ich hatte zusätzlich zum Add-on testweise einen zweiten Matter Server in einem Container gestartet. Der lud null Geräte. Das ist kein Fehler, sondern logisch: Die Geräte hängen an dem Matter Server (genauer: an dessen Speicher), mit dem sie eingebunden wurden. Ein zweiter, frischer Server kennt sie schlicht nicht.

Die Lehre: Pro Home-Assistant-Instanz gibt es genau einen Matter Server, und den lasst ihr in Ruhe laufen. Wenn ihr ihn neu aufsetzt, ohne seinen Speicher zu sichern, müsst ihr alle Geräte neu einbinden. Deshalb gehört das Add-on in die Backups – dazu mehr im Artikel zum Backup-Notfallplan.

Schritt 3: Gerät mit weiteren Systemen teilen (Multi-Admin)

Eine der großen Stärken von Matter: Ein Gerät kann gleichzeitig in mehreren Systemen angemeldet sein, zum Beispiel in Home Assistant und in der Hersteller-App oder bei einem Sprachassistenten. Das nennt sich Multi-Admin.

In Home Assistant geht das über die Geräteseite: Dort gibt es die Funktion zum Teilen des Matter-Geräts. Home Assistant öffnet dafür für kurze Zeit ein „Fenster“ und zeigt einen Kopplungscode, den ihr in der anderen App eingebt. Der Vorteil: Ihr behaltet die Kontrolle in Home Assistant und könnt das Gerät trotzdem in einer zweiten Welt nutzen. Der Nachteil: Jedes System, das das Gerät kennt, kann es auch schalten. Ihr solltet also wissen, wer wo „Admin“ ist.

Schritt 4: Aufräumen und benennen

Gleich nach dem Einbinden lohnt sich ein Moment für Ordnung, solange ihr noch wisst, welches Gerät welches ist:

  • Gerät und Entitäten umbenennen, am besten mit dem Ort und dem Zweck („Gefrierschrank“ statt „Plug 3“).
  • Raum zuweisen, damit Dashboards und Sprachassistenten es finden.
  • Gerät ausstecken und wieder einstecken testen, um zu sehen, dass es nach einem Stromausfall zuverlässig wiederkommt.

Ich habe mir angewöhnt, an der Steckdose selbst nichts zu beschriften und nur in Home Assistant sauber zu benennen. Wenn man in einem halben Jahr vergessen hat, welche von vier identischen Steckdosen am Gefrierschrank hängt, ist das Gold wert.

Was ich nach der Einrichtung beobachte

In den ersten Wochen lohnt ein Blick darauf, ob die Geräte über längere Zeit ohne Aussetzer erreichbar bleiben und ob die Messwerte plausibel sind. Rechnet bei Thread-Geräten, die ein paar Hops entfernt sind, nicht bei jedem Schaltbefehl mit Reaktion in Sekundenbruchteilen.

Wenn etwas nicht klappt

  • Gerät nicht gefunden: Ist es im Einrichtungsmodus? Ist Bluetooth am Handy an?
  • Einbinden bricht mit Thread-Fehler ab: Bevorzugtes Thread-Netzwerk prüfen und Companion App aktualisieren.
  • Alle Thread-Geräte plötzlich offline: Das ist fast nie ein Gerätefehler. Meine Checkliste dazu steht im Artikel Matter über Thread streikt?

Fazit

Matter ist kein Selbstläufer, aber in Home Assistant ein sehr guter Weg, Geräte lokal und herstellerunabhängig einzubinden. Wenn ihr die Thread-Zugangsdaten im Blick habt, nur einen Matter Server betreibt und eure Geräte direkt sinnvoll benennt, läuft die Einrichtung in ein, zwei Minuten pro Gerät. Meine Erfahrung mit den Steckdosen findet ihr im GRILLPLATS-Test.

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